Shakespeare und der Furz: Blähungswitze in der Weltliteratur
William Shakespeare gilt als der größte Dramatiker der englischen Sprache — und er hatte eine bemerkenswerte Vorliebe für Körperhumor. Fürze, Aufstoßen, Verdauung und Körperfunktionen spielen in seinen Komödien eine überraschend prominente Rolle. Das ist kein Zufall: Für Elisabethanisches Publikum war Körperhumor alltäglich und gesellschaftlich akzeptabel. Ein Blick auf Furze in der Weltliteratur — von Chaucer bis Rabelais bis Shakespeare.
Chaucer: Der erste große Furzdichter
Bevor Shakespeare, gab es Geoffrey Chaucer — und kaum ein mittelalterlicher Autor hat Fürze literarisch ausführlicher behandelt. In den Canterbury Tales (ca. 1390) ist die bekannteste Furzszene im 'Miller's Tale': Der Protagonist Nicholas lässt einen Furz direkt ins Gesicht seines Rivalen — der daraufhin mit einem glühenden Eisen zurückschlägt. Die Szene ist detailliert, komisch und keineswegs beiläufig; Chaucer widmet ihr mehrere Strophen. Für das mittelalterliche Publikum war das keine Skandalliteratur — Körperhumor war ein anerkanntes literarisches Genre (fabliau), das an Höfen und in Bürgerschichten gleichermaßen beliebt war. Chaucers Fürze sind präzise, handlungstreibend und strukturell wichtig für die Erzählung.
Shakespeare: Fürze in den Komödien
Shakespeare verwendete Flatulenzhumor subtiler als Chaucer, aber durchaus regelmäßig. In 'The Comedy of Errors' gibt es mehrere Doppeldeutigkeiten auf 'wind' (Wind/Furz), die dem elisabethanischen Publikum sofort verständlich waren. In 'A Midsummer Night's Dream' spielt Bottom (Name bereits ein Wortspiel) eine Rolle, die reich an körperlichen Gags ist. Die Wendung 'cutting wind' taucht in mehreren Stücken auf. Shakespeares bekanntester Furz-Witz findet sich in 'The Comedy of Errors' (Akt 3), wo ein Anwalt ironisch beschrieben wird als jemand, der 'so oft geschurft hat, dass er nun Winde ablädt'. Das war für das elisabethanische Publikum ein eindeutiger Furz-Witz — die Doppeldeutigkeit von 'wind' war Standard-Slang.
Rabelais: Die Mutter aller Furz-Literatur
François Rabelais (1494–1553) übertrumpft alle anderen: Sein Werk 'Gargantua und Pantagruel' ist eine literarische Ode an alle Körperfunktionen, und Fürze nehmen darin breiten Raum ein. In einer berühmten Passage furzt der Riese Gargantua so mächtig, dass er eine ganze Stadt erschüttert — Rabelais beschreibt Geruch, Klang und Nachwirkungen in epischer Ausführlichkeit. Rabelais wird von Literaturwissenschaftlern als Begründer des 'grotesken Realismus' (Bachtin) betrachtet — einer literarischen Tradition, die den Körper und seine Funktionen als Teil der Lebendigkeit und Komik des menschlichen Daseins feiert. Ohne Rabelais keine Voltaire, kein Swift, kein Sterne — und möglicherweise keine moderne satirische Komödie.
Moderne Literatur: Der Furz als ernsthafte Metapher
Im 20. Jahrhundert wird der Furz in der Literatur zunehmend metaphorisch eingesetzt. Samuel Beckett verwendet in 'Molloy' Flatulenz als Zeichen des körperlichen Verfalls und der Absurdität des Daseins. James Joyce — der für seine schamlose Behandlung von Körperfunktionen bekannt war — schreibt in 'Ulysses' über Furze als Ausdruck von Intimität und Normalität. In der Gegenwartsliteratur haben Autoren wie Philip Roth Körperfunktionen als Instrument der Enttabuisierung des menschlichen Körpers verwendet. Die literarische Geschichte des Furzes ist also keine triviale Geschichte von Schenkelklopfer-Humor — sie ist eine Geschichte davon, wie Kulturen den Körper, Scham und Komik verhandeln.
Wusstest du?
- Chaucers 'Miller's Tale' enthält eine der detailliertesten Furzszenen der mittelalterlichen Literatur — komisch und handlungstreibend.
- Shakespeare nutzte das Wort 'wind' regelmäßig als Furz-Euphemismus, was dem elisabethanischen Publikum sofort verständlich war.
- Rabelais beschreibt in 'Gargantua' einen Riesenfurz so detailliert, dass er als literarisches Vorbild für das grotesque Realismus-Konzept gilt.
- James Joyce behandelte in 'Ulysses' Körperfunktionen inklusive Flatulenz als Teil der Normalität des menschlichen Lebens.
Fun Fact
Benjamin Franklin — sonst bekannt für Verfassung und Blitzableiter — schrieb 1781 einen satirischen Essay mit dem Titel 'Fart Proudly', in dem er die Royal Academy of Brussels aufforderte, die Wissenschaft der Darmgase zu erforschen und Methoden zu entwickeln, Fürze angenehm zu parfümieren. Franklin argumentierte mit vollem Ernst, dass dies nützlicher sei als viele akademische Forschungsthemen seiner Zeit. Der Essay (auch bekannt als 'A Letter to a Royal Academy') wurde nie offiziell veröffentlicht, kursierte aber als handgeschriebenes Pamphlet und gilt als eine der frühesten Verbindungen von Literatur und Darmgasforschung.
Quellen
- Bakhtin, M. (1984). Rabelais and His World. Indiana University Press.
- Partridge, E. (1968). Shakespeare's Bawdy. Routledge.
- Olson, P.A. (1986). The Canterbury Tales and the Good Society. Princeton University Press.