📜 Geschichte & Kultur

Fürze in Kunst und Literatur

Der Furz ist älter als die Zivilisation — und ebenso alt ist der unwiderstehliche Drang der Menschheit, ihn in eine Geschichte zu verpacken. Von altorientalischen Witzschriften bis zu Chaucers mittelalterlichen Versen, von japanischen Rollbildern bis zu den Bühnen des 19. Jahrhunderts in Paris: Blähungen haben stets als Komödienstoff und kultureller Spiegel gedient. Die Geschichte der Fürze in der Kunst ist tatsächlich ein erstaunlich ernstes Thema.

Antike und klassische Literatur

Der älteste überlieferte Witz der Menschheitsgeschichte — auf einer sumerischen Tafel aus etwa 1900 v. Chr. — handelt von einer Blähung: 'Etwas, das seit unvordenklichen Zeiten nicht geschehen ist: Eine junge Frau furzte nicht auf dem Schoß ihres Mannes.' Aristophanes, der griechische Komödiendichter, verwendete Blähungshumor freizügig in seinen Stücken: In Die Wolken (423 v. Chr.) wird Sokrates unter anderem durch Furz-Witze verspottet. In Die Wespen (422 v. Chr.) wird Furz-Humor in einer Gerichtsszene komödiantisch eingesetzt. Das waren keine literarischen Ausrutscher — Aristophanes galt als literarische Größe, und die Einbeziehung von Körperhumor in sein Werk spiegelt die griechische Theatertraditon wider, den grotesken Körper zur Kommentierung sozialer Hierarchien einzusetzen.

Das Mittelalter: Chaucer und Zeitgenossen

Geoffrey Chaucers Canterbury Tales (um 1390) enthält wohl den berühmtesten Furz der Literaturgeschichte, in 'The Miller's Tale.' Der Oxforder Kleriker Nicholas streckt seinen Hintern aus einem Fenster und lässt 'einen Furz so laut wie ein Donnerschlag' heraus — was eine Kette gewaltsamer komischer Konsequenzen in Gang setzt, die als Gesellschaftssatire auf klerikale Anmaßung angelegt ist. Jonathan Swift thematisierte Blähungen direkt in 'The Lady's Dressing Room' (1732) und in seinem satirischen Essay 'The Art of Political Lying', in dem er mit typischer Swiftscher Ironie für den gesellschaftlichen Nutzen von Darmgas plädierte. François Rabelais hatte in Gargantua und Pantagruel (1532–1564) körperliche Funktionen gleichermaßen gefeiert und eine europäische Literaturtradition begründet, in der der Furz als Waffe satirischer Egalisierung dient.

Die He-Gassen-Rolle: Japanische Furz-Kunst

Zu den außergewöhnlichsten Artefakten in der Geschichte der Blähungskunst gehört die He-Gassen ('Furz-Kampf')-Rolle, eine japanische illustrierte Handrolle, die wahrscheinlich während der Edo-Zeit (etwa 17.–18. Jahrhundert) entstanden ist. Sie zeigt Figuren, die in kompetitivem, waffenartigen Furzen engagiert sind: Menschen werden von den Füßen geblasen, Möbel umgeworfen und Menschenmengen durch gezieltes Furzen zerstreut. Kunsthistoriker interpretieren die Rolle als politische Satire auf den wachsenden ausländischen (insbesondere holländischen) Einfluss in Japan, wobei der Furz als Metapher für gesellschaftliche Disruption steht. Die Rolle befindet sich heute in Privatbesitz und repräsentiert eine ausgefeilte visuelle Tradition skatologischen Humors in der japanischen Kunst, die auch in früher Heian-zeitlichen illustrierten Tagebüchern erscheint.

Le Pétomane: Der Furz als Hochkunst auf der Bühne

Der berühmteste Fürzer der Aufzeichnungsgeschichte war Joseph Pujol (1857–1945), ein französischer Unterhalter, der unter dem Namen 'Le Pétomane' ('der Fürz-Maniac') ab 1892 im Moulin Rouge in Paris auftrat. Pujol besaß die außerordentliche Fähigkeit, Luft rektal einzuatmen und nach Belieben auszustoßen, was ihm erlaubte, Musikstücke vorzutragen, natürliche Geräusche zu imitieren und Kerzen aus einiger Entfernung auszublasen. Seine Vorstellungen wurden unter anderem von König Eduard VII., dem Prinzen von Wales und dem Maler Toulouse-Lautrec besucht. Er war dem Vernehmen nach der bestbezahlte Künstler im Moulin Rouge. Pujol markiert den Höhepunkt der Blähung als ernsthafte Bühnenkunst — eine Form, die in Zeitungen besprochen und in medizinischer Literatur diskutiert wurde.

Wusstest du?

Fun Fact

In der Fachzeitschrift La Semaine Médicale wurde 1892 ein echter medizinischer Aufsatz über Le Pétomane veröffentlicht, der Pujols Physiologie dokumentierte und zu dem Schluss kam, dass seine Kontrolle über Bauch- und Analmuskulatur selbst nach klinischen Maßstäben außergewöhnlich war.

Quellen

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