Furz in allen Sprachen
Wer glaubt, der Furz sei eine rein körperliche Angelegenheit, unterschätzt seine sprachliche Dimension. Jede Sprache der Welt hat mindestens ein Wort dafür — und viele haben ganze Familien von Begriffen, die verschiedene Qualitäten, Umstände und Absichten beschreiben. Die Sprachwissenschaft der Flatulenz ist reich, vielschichtig und gelegentlich hochpoetisch.
Europäische Sprachen
Das deutsche Wort 'Furz' stammt vom mittelhochdeutschen 'vurz' und dem althochdeutschen 'furzan', verwandt mit dem lateinischen 'pēdere' (furzen). Das Englische kennt 'fart' (aus dem Altenglischen 'feortan'), das Französische 'pet' (vom lateinischen 'peditum'), das Spanische 'pedo', das Italienische 'scoreggia' — und das Portugiesische, das mit 'pum' eine besonders lautmalerische Lösung gefunden hat. Das Russische kennt 'пердеть' (perdet'), das Polnische 'pierdzieć' und das Niederländische 'scheet' — letzteres klingt in deutschen Ohren unbeabsichtigt medizinisch. Das Schwedische 'fis' ist für leise Varianten reserviert, 'prutt' hingegen für lautere Exemplare — eine sprachliche Differenzierung, die den skandinavischen Hang zur Präzision widerspiegelt.
Asiatische Sprachen und ihre Nuancen
Das Japanische bietet gleich mehrere Begriffe: 'おなら' (onara) ist die höfliche Alltagsvariante, 'へ' (he) die umgangssprachliche, und in historischen Texten findet sich '屁' — dasselbe Schriftzeichen, das auch in 'He-gassen' (屁合戦) vorkommt. Das Mandarin-Chinesische verwendet '放屁' (fàng pì), wörtlich 'Pupsen lassen', und das Wort ist in Redewendungen präsent: 'Lass Blähungen ab!' bedeutet so viel wie 'Rede keinen Unsinn!' — eine interessante semantische Übertragung. Das Hindi kennt 'पाद' (paad), das Arabische 'ضرطة' (darṭa), das Hebräische 'נפיחה' (neficháh). Das Koreanische unterscheidet zwischen '방귀' (banggwi) für normales Furzen und spezifischeren Ausdrücken für Stärke und Dauer.
Euphemismen und gesellschaftliche Sprachregelung
In Gesellschaften, in denen das direkte Wort als unschicklich gilt, entwickeln Sprachen elaborierte Euphemismen. Das Englische kennt 'passing wind', 'breaking wind', 'cutting the cheese', 'letting one rip' und das medizinische 'flatulence'. Das Deutsche bietet 'Blähung', 'Winde abgehen lassen', 'sich entlüften' und das kindliche 'Pups'. Interessanterweise sind Euphemismen oft länger und umständlicher als das direkte Wort — als würde die sprachliche Umgehung die physiologische Unmittelbarkeit ausgleichen. In professionellen medizinischen Kontexten ist 'Flatus' (lateinisch) international gebräuchlich und erlaubt die sachliche Besprechung ohne die emotionale Ladung des Volksausdrucks.
Lautmalerei: Das Furzen klingt wie sein Name
Besonders interessant sind onomatopoetische Begriffe — Wörter, die den Klang nachahmen. Das deutsche 'Pups' imitiert den charakteristischen kurzen Laut. Das Portugiesische 'pum' ebenfalls. Das Englische 'fart' wird von Sprachwissenschaftlern als semi-onomatopoetisch eingestuft. In vielen Sprachen der Welt klingen die umgangssprachlichen Furz-Wörter tatsächlich nach dem, was sie beschreiben — ein seltenes linguistisches Phänomen, das als 'Lautsymbolik' bekannt ist. Das Arabische 'ṭarraṭa' (طرطرة) für das Geräusch des Furzens ist vielleicht das deutlichste Beispiel: Es kling buchstäblich wie das Phänomen, das es bezeichnet.
Furz als Redewendung
Der Furz hat in viele Sprachen als Metapher Eingang gefunden. Im Deutschen: 'Perlen vor die Säue werfen' ist zwar kein Furz-Ausdruck, aber 'Das ist mir total wurscht' hat etymologische Verwandtschaft mit Körperfunktionen (umstritten). Im Englischen bedeutet 'old fart' einen altmodischen Menschen. Im Deutschen sagt man 'ein alter Furz' in derselben Bedeutung. Im Mandarin ist '放屁' (Furzen) ein Ausdruck für Unsinn und leeres Gerede. Im Spanischen ist 'importar tres pepinos' (drei Gurken sind mir egal) ein Äquivalent zu 'das ist mir egal wie ein Furz' — wobei das Spanische auch direktere Varianten mit 'pedo' kennt. Der Furz lebt in der Sprache weit über seine physiologische Funktion hinaus.
Wusstest du?
- Das Wort 'Furz' stammt vom althochdeutschen 'furzan' — mindestens 1200 Jahre alt.
- Im Mandarin-Chinesischen bedeutet '放屁' (Furzen lassen) auch 'Unsinn reden'.
- Das Schwedische unterscheidet sprachlich zwischen leisen Fürzen ('fis') und lauten ('prutt').
Fun Fact
Das 'Universale' der menschlichen Sprache — Konzepte, für die jede Sprache der Welt ein Wort hat — umfasst wenige Dutzend Begriffe: Mutter, Wasser, Feuer... und Furzen. Kein menschliches Volk hat je ohne ein Wort dafür auskommen müssen.
Quellen
- Wierzbicka, A. (1992): 'Semantics, Culture, and Cognition'. Oxford University Press.
- Crystal, D. (2010): 'The Cambridge Encyclopedia of Language'. 3rd ed. Cambridge University Press.