Fürze in der Geschichte
Der Furz hat Geschichte geschrieben — manchmal buchstäblich. Von den ältesten bekannten Witzen der Menschheit über kaiserliche Edikte bis hin zu mittelalterlichen Medizintraktaten: Flatulenz war in nahezu allen Kulturen und Epochen ein Thema, das Menschen beschäftigt hat. Wer glaubt, das sei eine moderne Obsession, hat die Quellen nicht gelesen.
Der älteste Witz der Welt
Der älteste bekannte Witz der Menschheit ist ein Furz-Witz. Er stammt aus Sumer, dem alten Mesopotamien, und wurde auf einer Tontafel aus etwa 1900 v. Chr. entdeckt. Der Witz lautet: 'Etwas, das seit Anbeginn der Zeit nie vorgekommen ist: Eine junge Frau, die nicht auf dem Schoß ihres Mannes sitzt und furzt.' Diese Entdeckung durch Forscher der Universität Wolverhampton im Jahr 2008 belegte, dass der menschliche Sinn für Klohumor mindestens 4.000 Jahre alt ist. Die zweitälteste bekannte Pointe ist ebenfalls ein Furz-Witz — aus dem alten Ägypten, etwa 1600 v. Chr. Flatulenz ist damit das älteste dokumentierte Thema menschlicher Komik.
Rom: Von Claudius bis Horaz
Die Römer hatten ein entspanntes Verhältnis zu Körperfunktionen. Der Dichter Horaz (65–8 v. Chr.) erwähnt Furzen in seinen Satiren beiläufig als selbstverständlichen Teil des Alltags. Kaiser Claudius (10 v. Chr.–54 n. Chr.) soll laut dem Historiker Sueton ernsthaft erwogen haben, ein Edikt zu erlassen, das das freie Furzen bei Tisch legalisiert — aus gesundheitlichen Gründen. Eine Anekdote bei Sueton berichtet von einem Mann, der sich so sehr beherrschte, dass er erkrankte, woraufhin Claudius die medizinische Notwendigkeit des freien Furzens erkannte. Ob das Edikt jemals in Kraft trat, ist historisch umstritten — die Quellenlage ist, wie bei vielen antiken Delikatessengeschichten, dünn.
Mittelalter: Medizin und Moral
Im europäischen Mittelalter war Flatulenz ein ernstes medizinisches Thema. Basierend auf der Humoralpathologie (Vier-Säfte-Lehre) nach Hippokrates und Galen galten eingeschlossene Gase als gesundheitsschädlich: Sie konnten die Körpersäfte durcheinanderbringen und Melancholie, Schmerzen oder gar den Tod verursachen. Mittelalterliche Ärzte empfahlen ausdrücklich, Blähungen nicht zurückzuhalten. Das 'Tacuinum Sanitatis', ein arabisch-europäisches Medizinhandbuch aus dem 11. Jahrhundert, enthält Kapitel über blähungsfördernde und -mindernde Nahrungsmittel. Gleichzeitig galt in sozialen Kontexten das öffentliche Furzen als grob — eine Spannung zwischen medizinischer Notwendigkeit und gesellschaftlichem Anstand, die bis heute fortbesteht.
Benjamin Franklin und die Wissenschaft
Benjamin Franklin — Gründervater der USA, Erfinder und Universalgelehrter — verfasste 1781 einen satirischen Essay mit dem Titel 'Fart Proudly' (auch bekannt als 'To the Royal Academy of Brussels'). Darin forderte er die Wissenschaft auf, sich der Erforschung von Mitteln zu widmen, die Darmwinde angenehm riechend machen, da dies der Menschheit mehr nützen würde als viele andere wissenschaftliche Bestrebungen. Der Essay war als Satire auf aufgeblasene akademische Institutionen gedacht, enthält aber erstaunlich präzise Beobachtungen zur Physiologie der Verdauung. Franklin schrieb ihn nie zur Veröffentlichung — er kursierte als Privatbrief und wurde erst posthum bekannt. Es ist eines der amüsantesten Dokumente der Aufklärungszeit.
20. und 21. Jahrhundert: Kulturelle Rehabilitierung
Das 20. Jahrhundert brachte eine Bifurkation: Einerseits wurde Flatulenz im öffentlichen Diskurs zunehmend tabuisiert, andererseits entwickelte sich eine robuste Gegenkultur der Furz-Komik in Film, Fernsehen und später im Internet. Der Film 'Blazing Saddles' (1974) von Mel Brooks enthält eine legendäre Bohnencamp-Szene, die als einer der ersten offen flatulenten Momente in Hollywood gilt. Die Klingeltonflatulenz der frühen 2000er Jahre war eine der beliebtesten Kategorien im Handy-Download-Markt. Heute hat Art-of-Fart.com bewiesen, dass kollaboratives Furz-Archivieren im Internet eine lebensfähige Form des community-getriebenen Entertainments ist.
Wusstest du?
- Der älteste bekannte Witz der Menschheit — aus Sumer, 1900 v. Chr. — ist ein Furz-Witz.
- Benjamin Franklin schrieb 1781 einen wissenschaftlichen Essay darüber, wie man Fürze angenehm riechend machen könnte.
- Kaiser Claudius erwog angeblich ein Edikt zur Legalisierung des freien Furzens bei Tisch — aus gesundheitlichen Gründen.
Fun Fact
In der japanischen Edo-Zeit (1603–1868) entstanden 'He-gassen'-Bildrollen: Manga-artige Scrolls, die epische Furz-Schlachten zwischen Gruppen von Menschen zeigen. Ein Samurai besiegt seinen Feind durch einen gezielten Furz-Strahl. Die Werke sind heute in Museen und Privatsammlungen.
Quellen
- Davies, S. (2008): 'The oldest joke in the world'. University of Wolverhampton, Press Release.
- Franklin, B. (1781): 'To the Royal Academy of Brussels' (Fart Proudly). Privatbrief, posthum veröffentlicht.