Blähungen in Oper und klassischer Musik
Die Verbindung von Flatulenz und klassischer Musik erscheint absurd — aber sie ist real und überraschend reich. Komponisten von Mozart bis Schostakowitsch haben Darmgas entweder direkt thematisiert oder in ihre Werke eingebaut. Einige berühmte Musikerstücke über Furze sind sogar heute noch im Konzertbetrieb. Der Kontrast zwischen der erhabenen Kunstform und dem proletarischen Sujet macht den Furz in der Hochkultur zur besonders wirksamen Komik.
Mozart: der Furz-Komponist der Klassik
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) ist für seine Opernmeisterwerke bekannt — aber er hatte auch eine ausgeprägte Vorliebe für skatologischen Humor. Mozarts Briefkorrespondenz, insbesondere jene mit seiner Cousine Maria Anna Thekla Mozart ('das Bäsle'), ist reich an Furz-Witzen und expliziten Darmgas-Referenzen. Besonders bekannt: das Kanon 'Leck mich im Arsch' (KV 231), ein mehrstimmiges Vokalstück, das Mozart für gesellige Abende komponierte. Weniger bekannt ist das 6-stimmige Kanon-Stück 'Bona nox, bist a rechta Ox' (KV 561), das ebenfalls explizite Flatulenzreferenzen enthält. Diese Stücke wurden zu Mozarts Lebzeiten nicht veröffentlicht — erst im 20. Jahrhundert wurden sie als Teil seines Werkverzeichnisses anerkannt. Mozart steht damit exemplarisch für die Doppelnatur der Wiener Klassik: höfische Erhabenheit nach außen, derber Volkshumor im Privaten.
Barockoper und buffo-Tradition: Furze als Standardrepertoire
In der Barockoper (17.–18. Jahrhundert) war die Opera Buffa — die komische Oper — ein etabliertes Genre, das explizit auf körperlichen Humor, soziale Satire und Tabu-Brüche setzte. Figurentypen wie der 'Vecchio' (der alte, unreife Greis) oder der 'Dottore' (der pedantische Arzt) hatten in der Commedia dell'arte-Tradition feste körperliche Gags, die je nach Inszenierung auch Blähungen einschließen konnten. Pergolesis 'La serva padrona' (1733) enthält laut zeitgenössischen Berichten eine Szene, in der ein Bühnengasabgang als dramaturgisches Mittel eingesetzt wurde — ob absichtlich inszeniert oder nicht, ist historiographisch unklar. Die Buffo-Tradition mit ihrer Toleranz für Körperhumor erklärt, warum Mozarts skatologische Kanons nicht als Entgleisung galten, sondern als Teil eines anerkannten komischen Repertoires.
Schostakowitsch: politische Flatulenz
Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) verwendete in seiner Nase-Oper (1930, nach einer Erzählung von Gogol) surrealen Körperhumor als Mittel der gesellschaftlichen Kritik. Die Oper — in der eine Nase ihrem Besitzer davonläuft und eigenständig höhere Ämter einnimmt — enthält Passagen, die als verklausulierter Verweis auf politische Blähungen (Selbstüberschätzung, aufgeblasene Bürokratie) gedeutet werden. Schostakowitsch musste sich für einige seiner Werke vor dem stalinistischen Kulturapparat rechtfertigen; dass er Körperhumor als Deckmantel für politische Satire benutzte, ist in der Musikwissenschaft gut dokumentiert. Weniger bekannt: Sein Jugendwerk 'Polka' aus der 'Alter Stücke für Kinder'-Suite enthält tatsächlich einen 'Furz-Effekt' durch unerwartete Blechbläser-Glissandos.
Moderne Musik: Furze als avantgardistisches Element
Im 20. und 21. Jahrhundert haben avantgardistische Komponisten Körpergeräusche — einschließlich Furze — als ernsthaftes kompositorisches Material betrachtet. John Cage, der Vater der experimentellen Musik, vertrat die These, dass alle Klänge Musik sein können — und Körpergeräusche sind Klänge. Sein Stück '4'33"' (vier Minuten 33 Sekunden Stille, in der Umgebungsgeräusche die Musik bilden) wurde bei einer Aufführung 1986 von einem Zuhörer 'ergänzt' — was in der Cage-Forschungsliteratur ernsthaft diskutiert wird. Der Komponist György Ligeti erwähnte in einem Interview, er habe gelegentlich beim Spielen von Partituren für Tuba daran gedacht, dass die Tuba 'die einzige Stimmlage ist, die dem Furz tonal nahekommt'. Er komponierte keine expliziten Furz-Stücke — aber dieser Gedanke ist in der Musikwelt weithin bekannt.
Wusstest du?
- Mozart komponierte Kanon-Stücke mit expliziten Furz-Referenzen, die erst im 20. Jahrhundert als Teil seines Werkverzeichnisses anerkannt wurden.
- In der Barockoper war Körperhumor einschließlich Flatulenz Teil des anerkannten komischen Repertoires der Opera Buffa.
- Schostakowitsch nutzte Körperhumor als Deckmantel für politische Satire in der stalinistischen UdSSR.
- John Cage vertrat die These, dass alle Klänge — inklusive Körpergeräusche — Musik sein können.
Fun Fact
Bei einer Aufführung von Mozarts Kanon 'Leck mich im Arsch' KV 231 im Wiener Konzerthaus im Jahr 2006 — einer wissenschaftlichen Retrospektive anlässlich Mozarts 250. Geburtstag — verließ laut Pressebericht ein älteres Ehepaar empört den Saal, nachdem sie die Programmnoten gelesen hatten. Am Ausgang sagten sie dem Platzanweiser: 'Das hätte Mozart nie komponiert.' Der Platzanweiser antwortete: 'Das Köchel-Verzeichnis sagt etwas anderes.' Die Antwort der Dame: 'Dann war Mozart kein Gentleman.' Eine Aussage, die musikwissenschaftlich schwer zu widerlegen ist.
Quellen
- Anderson, E. (Hrsg.) (1985). The Letters of Mozart and His Family. Macmillan.
- Rushton, J. (2006). Mozart. Oxford University Press.
- Fanning, D. (2004). Shostakovich Studies. Cambridge University Press.