Blähungen im antiken Griechenland
Von der hippokratischen Medizin bis zu den Komödien des Aristophanes behandelten die alten Griechen den Darmwind als ein Thema, das Ärzte, Philosophen und Bühnendichter gleichermaßen beschäftigte.
Wind in der griechischen Medizin
Für die griechischen Ärzte war der Wind niemals bloß peinlich, sondern ein diagnostisches Zeichen und in manchen Theorien sogar eine Grundursache von Krankheit. Die hippokratische Schrift Über die Winde (De Flatibus), verfasst um 400 v. Chr., vertrat kühn die These, dass Luft und Wind die eigentlichen Auslöser von Erkrankungen seien und den Körper durchziehen und aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Im Rahmen der Vier-Säfte-Lehre galt zurückgehaltener oder fehlgeleiteter Wind als Ursache von Schmerz, Blähung und Fieber, sodass sein Entweichen ein Zeichen wiederkehrender Gesundheit sein konnte. Der Hippokrates am häufigsten zugeschriebene Satz, dass das Abgehenlassen von Wind für das Wohlbefinden notwendig sei, bringt diese Haltung treffend auf den Punkt. Die Ärzte befragten ihre Patienten nach Klang, Geruch und Häufigkeit des Windes und betrachteten den Bauch als Barometer für das innere Wetter des Körpers.
Blähungen auf der Komödienbühne
Nirgends zeigt sich die griechische Freude an Blähungen deutlicher als in der Alten Komödie, jener derben Bühnentradition, die Aristophanes im fünften Jahrhundert v. Chr. zur Vollendung brachte. Seine Stücke schwelgen in fäkalischem Humor und setzen den Furz als großen demokratischen Gleichmacher ein, der die Würde von Feldherren, Demagogen und Philosophen gleichermaßen zu durchlöchern vermochte. In den Wolken von 423 v. Chr. wird der Donner selbst als kosmisches Rülpsen erklärt: Sokrates erzählt dem einfältigen Strepsiades, der Himmel grolle genauso wie ein überfüllter Bauch nach einer Schüssel Suppe. Solche Scherze waren kein bloßer Füllstoff. In der athenischen Demokratie diente obszönes Gelächter als politische Satire, als erlaubtes Ventil, das den Bürgern erlaubte, die Mächtigen zu verspotten. Forscher der attischen Komödie haben den erstaunlichen Reichtum griechischer Wörter für das Windlassen dokumentiert.
Philosophen und der Wind im Inneren
Die griechischen Philosophen nahmen den körperlichen Wind sowohl als physikalisches Phänomen als auch als Symbol ernst. In seiner Meteorologica verglich Aristoteles die unter der Erde eingeschlossenen Winde, die er für die Ursache von Erdbeben hielt, mit den Gasen, die sich in einem lebendigen Körper stauen, und zog so eine große Analogie zwischen der Verdauung des Kosmos und der Verdauung des Darms. Das Wort Pneuma, das zugleich Atem, Wind und Geist bedeutet, stand im Zentrum dieses Denkens und prägte später die stoische Physik, in der ein feuriger Hauch alle Dinge belebte. Die Kyniker machten das Thema zur Darbietung: Diogenes von Sinope war berühmt dafür, Konventionen zu missachten, und antike Anekdotensammlungen berichten, wie er in aller Öffentlichkeit Wind ließ, um Anmaßung zu entlarven und zu beweisen, dass die Natur keine Scham kennt.
Blähende Speisen und das Bohnentabu
Die griechische Diätetik achtete genau darauf, welche Speisen Wind erzeugten, und die Antworten klingen jedem modernen Betroffenen vertraut. Linsen, Kohl und vor allem Bohnen galten als blähend und konnten sowohl den Bauch als auch, nach der Überlegung mancher Schulen, die Ruhe der Seele stören. Das eindrücklichste Beispiel ist das pythagoreische Bohnenverbot, eine der bekanntesten Regeln dieser Bewegung. Antike Autoren boten mehrere Erklärungen an, etwa dass Bohnen den Toren der Unterwelt oder den Keimen menschlicher Zeugung glichen, doch ein wiederkehrender praktischer Grund war, dass sie übermäßige Blähungen hervorriefen und so den ruhigen Atem, das Pneuma, störten, das die Pythagoreer für klares Denken und ungestörten Schlaf bewahren wollten. Ärzte wie der spätere Grieche Galen katalogisierten blähende Speisen ausführlich und rieten zu sorgfältiger Zubereitung, Einweichen und Maß.
Wusstest du schon?
- Die hippokratische Schrift Über die Winde vertrat die Ansicht, dass Luft und Wind die Grundursache von Krankheit seien.
- In den Wolken des Aristophanes wird der Donner scherzhaft damit erklärt, dass sich der Himmel wie ein grollender, überfüllter Bauch verhalte.
- Pythagoras verbot seinen Anhängern den Verzehr von Bohnen, unter anderem um die Blähungen zu vermeiden, die ihren ruhigen Atem stören konnten.
- Das griechische Wort Pneuma bedeutete zugleich Atem, Wind und Geist und verband den Furz mit Medizin und Philosophie.
Fun Fact
In den Wolken des Aristophanes erklärt Sokrates den kosmischen Donner, indem er den Himmel mit einem geblähten Magen vergleicht, und sagt Strepsiades, dass genau wie eine Schüssel Suppe seinen eigenen Bauch zum Grollen und Entladen bringe, die weiten Wolken dasselbe im himmlischen Maßstab täten.
Quellen
- Hippocrates, On Breaths (De Flatibus) and Aphorisms, Corpus Hippocraticum, c. 400 BCE
- Aristophanes, The Clouds, 423 BCE
- Aristotle, Meteorologica, c. 350 BCE
- Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers, 3rd century CE
- Jeffrey Henderson, The Maculate Muse: Obscene Language in Attic Comedy, 1975