Professionelle Furzartisten: Eine Geschichte
Das Furzen als Kunstform — klingt absurd, ist aber eine jahrhundertealte Tradition. Professionelle Furzartisten, die mit körpereigenen Gasen Melodien spielen, Publikum unterhalten oder schlicht mit akrobatischen Lautstärke-Performances Geld verdienen, gibt es nachweislich seit dem Mittelalter. Von mittelalterlichen Hofnarren bis zu modernen Internet-Entertainern: Die Geschichte der bezahlten Furzkunst ist überraschend reich.
Mittelalter: Der Hofnarr als Furzartist
Im mittelalterlichen Europa war Flatulenzhumor ein anerkanntes Unterhaltungsmedium am Hof. Historische Aufzeichnungen belegen, dass Roland le Fartere — ein englischer Hofnarr des 12. Jahrhunderts — vom König Heinrich II. Land in Suffolk als Gegenleistung dafür erhielt, dass er jedes Jahr zu Weihnachten 'einen Sprung, einen Pfiff und einen Furz' vor dem Königshof ausführte. Diese kuriose Schenkungsurkunde hat sich erhalten und gilt als frühester dokumentierter Fall bezahlter Furzkunst. Der Auftritt war Teil des rituellen Entertainments am Hofe — und der Grundbesitz blieb in der Familie Rolands über Generationen.
Le Pétomane: Der König aller Furzartisten
Der absolute Höhepunkt professioneller Furzkunst war Joseph Pujol (1857–1945), der unter dem Künstlernamen 'Le Pétomane' ('der Farzverrückte') zu einem der bekanntesten Unterhaltungskünstler Frankreichs der Belle Époque wurde. Pujol trat im Moulin Rouge in Paris auf und verdiente dort mehr als die damalige Superstar-Sängerin Sarah Bernhardt. Er konnte willkürlich Luft durch den Anus ein- und aussaugen, was ihm erlaubte, Lieder zu spielen, Feuerflammen auszublasen (über einen Schlauch) und verschiedene Tiere zu imitieren. Sein medizinisch einmaliges Talent bestand darin, die Muskeln von Beckenboden und Bauchdecke so zu kontrollieren, dass er Luft ansaugen und mit präzisem Druck wieder ausstoßen konnte — ohne gastrointestinale Gasproduktion. Le Pétomane erhält einen eigenen Artikel in dieser Enzyklopädie.
Mr. Methane: Moderner Furzartist
Der britische Comedian Paul Oldfield tritt seit den 1980er Jahren unter dem Namen 'Mr. Methane' auf. Er beherrscht ähnlich wie Le Pétomane die willkürliche Darmluftansaugung und hat in Fernsehshows (unter anderem in Deutschland bei Stefan Raabs TV Total), auf Bühnen weltweit und in Werbespots performt. Mr. Methane beschreibt sein Talent als zufällig entdeckt — er merkte als Kind, dass er Luft 'einsaugen' konnte — und verbrachte Jahre damit, die Fähigkeit zu perfektionieren. Er hat eine eigene Website, ein Merchandise-Sortiment und betrachtet sich als Nachfolger Le Pétomanes. Sein Repertoire umfasst Musikstücke, Geräuschimitationen und Comedy-Einlagen.
Internet-Zeitalter: Furzen als Content
Mit dem Aufkommen von YouTube und später TikTok entstanden neue Karrieremöglichkeiten für Furzartisten. Channels wie 'Mr. T Bag' oder diverse anonyme Furz-Accounts erreichten Millionen von Abonnenten. Das Phänomen zeigt, wie sich Unterhaltungsformate verschieben: Was früher einen Bühnenauftritt erforderte, funktioniert jetzt als kurzformatiger Video-Content. Besonders erfolgreich sind Compilations, Prank-Videos und Videos mit Reaktionen von Menschen auf unerwartete Furze. Manche Creator monetarisieren zusätzlich durch Merchandise oder Auftritte. Der kulturelle Wert ist umstritten — aber die Zahlen sind real: Furz-Content hat konsistent hohe Engagement-Raten, besonders bei männlichen Zuschauern unter 25.
Wusstest du?
- Roland le Fartere erhielt im 12. Jahrhundert Land in Suffolk, weil er jedes Weihnachten einen Furz vor König Heinrich II. aufführte.
- Le Pétomane verdiente im Moulin Rouge mehr als Sarah Bernhardt — durch reine Furzkunst.
- Mr. Methane aus Großbritannien trat bei Stefan Raabs TV Total auf und ist der bekannteste lebende Furzartist.
- Le Pétomane produzierte kein gastrointestinales Gas — er saugte Luft willkürlich ein und stieß sie kontrolliert aus.
Fun Fact
Le Pétomane war so berühmt, dass er in der Pariser Presse als 'das größte Phänomen der Medizingeschichte' bezeichnet wurde. Wissenschaftler der Universität Paris baten ihn um eine Untersuchung — und dokumentierten tatsächlich seine einzigartige Fähigkeit zur willkürlichen Beckenbodenkontrolle. Das medizinische Gutachten kam zu dem Schluss, dass sein Sphinkter muskulär außerordentlich entwickelt war. Pujol lehnte lukrative Angebote aus den USA ab und blieb bis zu seiner Pensionierung in Frankreich.
Quellen
- Nohain, J. & Caradec, F. (1967). Le Pétomane. Sherbourne Press.
- Bayless, J. (1985). A Jest-Book of the Middle Ages. Harvard University Press.
- Oldfield, P. (2001). The Amazing Mr. Methane. Headline Book Publishing.