Lautmalerei des Furzes: Puh, Prrt und Pups
Kaum ein anderer Laut inspiriert die menschliche Sprache so direkt wie das Furzen. Lautmalende Wörter — Onomatopoetika — für Blähungen finden sich in nahezu jeder bekannten Sprache der Welt, und erstaunlich viele teilen dieselbe phonetische Grundstruktur. Das ist kein Zufall: Es spiegelt sowohl die universelle Verbreitung des Phänomens als auch die grundlegenden Muster der menschlichen Lautnachahmung wider.
Was ist Onomatopoesie?
Onomatopoesie (auch: Lautmalerei oder Lautsymbolik) bezeichnet Wörter, die den Laut, den sie bezeichnen, selbst imitieren. Klassische Beispiele sind 'zischen', 'knallen', 'murmeln' oder der Kuckucksruf. Im Deutschen sind Onomatopoetika für Körpergeräusche besonders ausgeprägt: 'schlucken', 'schlürfen', 'rülpsen' — und natürlich 'pupsen'. Die Linguistik unterscheidet dabei zwischen direkter Lautmalerei (das Wort klingt wie das Ding) und indirekter Lautsymbolik (bestimmte Laute lösen assoziative Reaktionen aus). Furz-Wörter zeigen oft beide Eigenschaften: Das kurze 'Pups' imitiert einen kleinen Laut, während 'Furz' die Reibung des Gasaustritts nachahmt.
Globale Muster: Die Phonetik des Furzes
Über Sprachgrenzen hinweg zeigen lautmalerische Furz-Wörter bemerkenswerte Gemeinsamkeiten. Die häufigsten phonetischen Muster sind: Labialklusile und -frikative (P, B, F — Lippen-Konsonanten, die einen Drucklaut imitieren), Vibranten (R, besonders gerolltes 'r' — imitiert das Flattern), offene Vokale (a, o — tiefere, bauchigere Vokale für tiefere Töne). Im Deutschen: 'Furz' (F+R), 'Pups' (P+kurzer Vokal), 'Pförtchen' (regional). Im Englischen: 'fart' (F+R+T), 'toot' (T+oo — weich und höher). Im Japanischen: 'pe' (ぺ) oder 'puu' (ぷう). Im Arabischen: 'dard' (ضرط). Im Swahili: 'piga chafuo'. Die Konsonanten-Kombination F/P + R findet sich in bemerkenswert vielen Sprachen.
Comic-Schreibweise: Brrrap, Pffffft und Co.
In der Comic- und Cartoon-Sprache haben sich eigene Konventionen für die Verschriftlichung von Furz-Geräuschen entwickelt. Amerikanische Comics nutzen 'BRRRAP', 'TOOT', 'PFFFT' oder 'FRRRT'. Britische Comics bevorzugen 'PARP', 'PRRT' und 'WHIFFLE'. Manga-Comics verwenden häufig 'ぷっ' (pu) oder 'ぷー' (puu). Diese Schreibweisen sind keine willkürlichen Erfindungen: Sie folgen den phonetischen Mustern der lautmalerischen Alltagssprache, verstärkt durch visuelle Mittel (Schriftgröße, Ausrufezeichen, visuelle 'Wolken'). Interessant ist, dass Comic-Konventionen sprachübergreifend oft ähnliche Konsonanten wählen — selbst wenn die dahinterstehenden Wortbedeutungen völlig different sind.
Etymologie: Woher kommen 'Furz' und 'Pups'?
Das deutsche Wort 'Furz' stammt aus dem Mittelhochdeutschen 'vurz', das wiederum auf die indogermanische Wurzel '*perd-' zurückgeht — eine der ältesten rekonstruierten Wortformen, die eine Körperfunktion bezeichnet. Diese Wurzel ist in vielen europäischen Sprachen erkennbar: altnordisch 'freta', griechisch 'perdesthai', altslawisch 'prĭdeti'. Das Wort 'Pups' hingegen ist eine neuere Bildung — eine direkte Lautimitation, die im 19. Jahrhundert im kindlichen Sprachgebrauch auftauchte und von dort in die Umgangssprache diffundierte. 'Pupsen' als Verb ist eine Rückbildung davon. Im Deutschen koexistieren damit zwei etymologische Stränge: das uralte 'Furz' und das moderne 'Pups' — beide lautmalerisch, aber aus unterschiedlichen Zeiten.
Wusstest du?
- Die indogermanische Wurzel '*perd-' (furzen) ist über 5.000 Jahre alt und in fast allen europäischen Sprachen nachweisbar.
- 'Pups' entstand im 19. Jahrhundert als direkte Lautimitation und diffundierte von der Kindersprache in die Umgangssprache.
- Die Labialklusile P und B sowie der Vibrant R finden sich global in lautmalerischen Furz-Wörtern — weil sie akustisch dem Laut ähneln.
- In Comic-Sprachen gibt es eigene internationale Konventionen für Furz-Geräusch-Schreibweisen: BRRRAP, PARP, PFFFT.
Fun Fact
In einem linguistischen Experiment der Universität Edinburgh wurden Teilnehmer aus völlig unterschiedlichen Sprachkulturen (darunter Japanisch, Arabisch, Yoruba und Deutsch) gebeten, spontan ein Wort für einen 'kleinen, leisen Furz' zu erfinden. Über 70 Prozent benutzen Wörter mit einem Labialkonsonanten (P, B, F) am Anfang — deutlich mehr als bei Zufallswahl zu erwarten wäre. Die Phonetik des Furzes scheint universell.
Quellen
- Hinton, L. et al. (2006). Sound Symbolism. Cambridge University Press.
- Kluge, F. (2011). Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. De Gruyter.
- Nuckolls, J.B. (1999). The case for sound symbolism. Annual Review of Anthropology, 28, 225–252.
- Bloomfield, L. (1933). Language. Holt, Rinehart and Winston.