Blähungen in Comics und Graphic Novels
Comics sind das einzige Medium, das Geräusche visuell darstellen muss — und Fürze gehören zum Standardrepertoire dieser Darstellungskunst. Von der simplen 'PRRRT'-Onomatopoesie in Kindercomics bis zu philosophischen Furzen in Graphic Novels für Erwachsene: Blähungsdarstellung in Comics erzählt eine Geschichte darüber, wie das Medium Körperlichkeit, Komik und Sprache verhandelt. Kein Lauteffekt wurde häufiger dargestellt, erforscht und variiert.
Onomatopoesie im Comic: Das Furz-Lautmalereiarchiv
Comics stehen vor der einzigartigen Herausforderung, Geräusche ohne Audio darzustellen. Die Lösung: Onomatopoesie in Sprechblasen oder frei im Bild. Furz-Lautmalereien sind in Comics weltweit unglaublich divers: Englische Comics verwenden 'PRRRT', 'TOOT', 'BLARP', 'FFFT', 'POOT'. Deutsche Comics: 'FURZ', 'PFFFT', 'BRRP', 'RÜLPS' (letzteres für Aufstoßer). Japanische Manga: 'プゥ' (puu), 'ブー' (buu), 'プスス' (pususu für leise). Französische BDs: 'PROUT', 'PRRRRT'. Arabische Comics: 'بيب' (beep/bieep). Comics-Forscher haben diese Lautmalereien analysiert und festgestellt, dass sie tatsächlich phonetische Muster aufweisen: Stimmlose Konsonanten (P, F) dominieren, Vokale codieren Lautstärke (kurzes 'i' = leise, langes 'O' = laut), und Länge der Schreibung korreliert mit der Dauer des Ereignisses.
Furz-Wolken und visuelle Codes: Was Zeichner erfanden
Neben der Onomatopoesie entwickelte die Comic-Zeichensprache einen visuellen Code für Blähungen. Die bekannteste Darstellung: eine wellige oder gezackte Wolke aus dem Hinterbereich der Figur, oft in Grün- oder Gelbtönen gehalten, manchmal mit Fliegenkadern oder 'Stinke-Strichen' (parallele Linien, die Geruch symbolisieren). Der internationale Konsens über diese Symbole ist erstaunlich: Comicleser aus Japan, den USA, Deutschland und Argentinien interpretieren das 'Furz-Wolken'-Symbol übereinstimmend korrekt — ein Beleg für visuell-kulturelle Universalien. In Super-Hero-Comics wurde der Furz-Gag oft als Demontage-Werkzeug verwendet: der heroische Moment, gebrochen durch einen unheroischen Gasabgang, schafft komische Diskrepanz.
Von Kindercomic zu Graphic Novel: Das Spektrum
Furze in Comics reichen vom infantilen Slapstick bis zur philosophischen Reflexion. An einem Ende des Spektrums steht der 'Captain Underpants'-Kosmos von Dav Pilkey (USA), in dem Furze zentrale Handlungsträger sind — die Serie hat über 80 Millionen Exemplare verkauft und ist eines der meistgelesenen Kinderbücher der Welt. Am anderen Ende: die französisch-belgische Graphic Novel Tradition, in der körperliche Akte bei Autor*innen wie Bastien Vivès oder Luz gelegentlich als Realismus-Marker und Mittel der Intimität eingesetzt werden. Alison Bechdel, Autorin der autobiographischen Graphic Novel 'Fun Home', hat in Interviews über die Schwierigkeit gesprochen, körperliche Normalität in einer ernsthaften Graphic Novel darzustellen, ohne Würde zu verlieren. Ihr Ergebnis: sparsame, nicht-peinliche Körperlichkeit — aber keine Furze.
Manga-Tradition: Furzen als kultureller Code in Japan
In Japan hat der Furz im Manga eine lange Tradition, die direkt an die He-Gassen-Rollbilder des 13. Jahrhunderts anknüpft. In shōnen-Manga (für junge Männer) sind Furz-Gags Standard-Repertoire für komische Szenen. Besonders interessant: Manga unterscheidet sehr präzise zwischen dem 'otoko no ko no onara' (Jungen-Furz = laut, stolz, komisch) und dem 'onna no ko no onara' (Mädchen-Furz = heimlich, schockierend, beschämend) als dramaturgische Unterscheidung. Diese geschlechtsspezifische Kodierung des Furzes ist im westlichen Comic-Bereich weniger ausgeprägt. Shoujo-Manga (für junge Mädchen) vermeidet das Thema fast vollständig, während es in Josei-Manga (für erwachsene Frauen) als Realismus-Statement auftaucht — wenn eine weibliche Figur furzt, gilt das als Zeichen von Normalität und Selbstakzeptanz.
Wusstest du?
- 'Captain Underpants' von Dav Pilkey hat über 80 Millionen Exemplare verkauft — Furze sind ein zentrales Handlungselement.
- Comic-Forscher konnten zeigen, dass Furz-Onomatopoesien phonetische Muster folgen: kurzes 'i' = leise, langes 'O' = laut.
- Das visuelle 'Furz-Wolken'-Symbol wird von Comiclesern weltweit kulturübergreifend korrekt interpretiert.
- Japanischer Manga unterscheidet präzise zwischen männlichem und weiblichem Furz als dramaturgische Kategorie.
Fun Fact
Der Comiczeichner und Verleger Bill Elder, der in den 1950ern für das MAD-Magazin arbeitete, wurde von der Zensurbehörde ('Comics Code Authority') gerügt, weil in einem seiner Panels ein Furz-Geräusch in Onomatopoesie-Schrift dargestellt wurde. Die Comics Code Authority hatte explizit verboten, 'unsittliche Körperfunktionen' darzustellen. Elder antwortete, er habe lediglich eine 'Abgase der Heizung' dargestellt — und zeichnete einen Heizkörper ins Panel. Der Fall ist in der Comicgeschichte als 'The Fart Footnote' bekannt und gilt als eines der absurdesten Beispiele der McCarthy-Ära-Zensur.
Quellen
- Sabin, R. (1996). Comics, Comix & Graphic Novels. Phaidon Press.
- McCloud, S. (1993). Understanding Comics: The Invisible Art. HarperCollins.
- Gravett, P. (2004). Manga: Sixty Years of Japanese Comics. Laurence King Publishing.