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Elefanten und ihre epischen Darmwinde

Ein ausgewachsener afrikanischer Elefant frisst täglich bis zu 200 Kilogramm Pflanzenmaterial und trinkt 150 Liter Wasser. Was dabei hinten rauskommt, ist — gelinde gesagt — beeindruckend. Elefantenblähungen sind für Tierpfleger legendär: laut, häufig und in einem Ausmaß, das Besucher regelmäßig verblüfft. Doch hinter dem Humor steckt faszinierende Biologie — und eine überraschende Klimarelevanz.

Der Elefantendarm: Eine Fermentationsanlage

Elefanten sind Hinterdarmfermentierer — im Gegensatz zu Wiederkäuern wie Kühen, die Nahrung im Magen vorverdauen, findet bei Elefanten die Hauptfermentation im Blinddarm und Dickdarm statt. Der Elefantendarm kann eine Gesamtlänge von 35 Metern erreichen und bietet eine riesige Fermentationsfläche. Darmbakterien bauen zellulose- und ligninreiche Pflanzenfasern ab — ein Prozess, der enorme Mengen an Wasserstoff, Methan und CO₂ produziert. Schätzungen zufolge produziert ein ausgewachsener Elefant täglich mehrere hundert Liter Darmgas — zum Vergleich: ein Mensch produziert 0,5 bis 1,5 Liter. Tierpfleger berichten, dass besonders nach einer üppigen Mahlzeit mit fermentationsfreudigen Lebensmitteln wie Früchten die akustische und olfaktorische Darbietung beeindruckend sein kann.

Klimarelevanz: Elefanten als Methansource?

Die Frage, ob Elefanten einen nennenswerten Beitrag zum atmosphärischen Methan leisten, hat Forscher beschäftigt. Anders als Rinder — die weltweit in Milliardenzahl gehalten werden — gibt es schätzungsweise nur noch 400.000 bis 500.000 Elefanten in Afrika und etwa 40.000 in Asien. Ihre absolute Methanemission ist daher global kaum relevant. Prähistorisch könnte das anders gewesen sein: Als Mammuts und andere Proboscidea in riesigen Herden Nordamerika und Eurasien bevölkerten, könnten ihre Darmgase einen messbaren Beitrag zur Atmosphäre geleistet haben. Einige Forscher spekulieren, dass das Aussterben der Megafauna am Ende der letzten Eiszeit den atmosphärischen Methangehalt tatsächlich leicht verringert haben könnte — ein indirekter Klima-Effekt der menschlichen Jagd.

Akustik und Geruch: Was Tierpfleger berichten

Wer jemals in der Nähe eines furzendem Elefanten gestanden hat, vergisst das nicht. Die akustische Bandbreite ist beeindruckend: von tiefen, resonanten Rumpeln bis zu pfeifenden, hochfrequenten Entladungen, die an einen Reifen erinnern, aus dem Luft entweicht. Der Schall entsteht durch die Vibration der Aftermuskeln — ähnlich wie beim Menschen, aber um Größenordnungen verstärkt. Der Geruch ist nach Berichten von Zoopflegern 'überwältigend pflanzlich-faulig' und deutlich weniger unangenehm als der Geruch menschlicher oder Fleischfresser-Gase, weil Elefanten Pflanzenfresser sind und kaum Schwefelverbindungen produzieren. Die Gas-Entlassungen erfolgen spontan und häufig — laut einer Beobachtungsstudie im Schnitt alle 20–40 Minuten.

Elefantenblähungen als Forschungsobjekt

Elefantendarmgase sind überraschend gut erforscht, weil Zooelefanten leicht zugänglich sind. Studien haben gezeigt, dass das Mikrobiom von Elefanten deutlich anders zusammengesetzt ist als das von Menschen oder Rindern. Besonders interessant: Elefanten-Mikrobiome unterscheiden sich erheblich zwischen frei lebenden und in Gefangenschaft gehaltenen Tieren — Zooelefanten haben ein weniger diverses Mikrobiom, was mit gesundheitlichen Problemen assoziiert sein kann. Die Gasproduktion dient Forschern auch als Proxy für die Verdauungsgesundheit: Veränderungen in der Gasmenge oder -zusammensetzung können auf Krankheiten, Stresszustände oder Ernährungsprobleme hinweisen.

Wusstest du?

Fun Fact

Im Hagenbeck Tierpark Hamburg berichteten Pfleger, dass ein besonders großer Bulle nach dem Fressen von fermentierten Früchten so intensive Blähungen produzierte, dass Besucher in einer nahegelegenen Besuchergruppe die akustische Darbietung für ein defektes Lüftungssystem hielten und Beschwerden beim Sicherheitsdienst einreichten. Der Sicherheitsdienst trat an — und stellte fest: alles normal, nur ein Elefant.

Quellen

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