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Tiere, die furzen

Flatulenz ist keine menschliche Errungenschaft — sie ist ein Merkmal des Tierreichs. Nahezu alle Säugetiere furzen, viele Vögel tun es, manche Insekten ebenfalls, und einige Fische geben Gase auf eine Weise ab, die biologisch gesehen als Furzen gilt. Die Vielfalt tierischer Flatulenz ist ein Zeugnis der evolutionären Kreativität — und gelegentlich ein Problem für das Weltklima.

Kühe und der Klimawandel

Das bekannteste und klimapolitisch relevanteste furzendes Tier ist das Rind. Eine einzige Kuh produziert täglich 250 bis 500 Liter Methan — ein Treibhausgas mit 28-facher Klimawirkung gegenüber CO₂. Weltweit gibt es etwa 1 Milliarde Rinder, die zusammen für rund 14,5 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Interessanterweise stammt der Großteil des Rinder-Methans nicht aus dem Furz, sondern aus dem Rülpsen: Kühe haben einen Pansen, in dem Methan von methanogenen Archaeen produziert und hauptsächlich durch den Mund abgegeben wird. Forscher arbeiten an Futterzusätzen wie 3-Nitrooxypropanol (3-NOP) und Bromoform-haltigen Algen, die die Methanproduktion im Pansen um bis zu 80 % reduzieren können.

Hunde und Katzen: Die heimischen Gaskammern

Wer einen Hund oder eine Katze besitzt, kennt das Phänomen: Das Tier liegt friedlich im Zimmer, dann verändert sich die Atmosphäre. Hunde furzen häufiger und hörbarer als Katzen, die tendenziell stille, aber konzentrierte Beiträge leisten. Ursache ist oft die Ernährung: Hunde mit kohlenhydrat- und ballaststoffreichem Futter oder Zugang zu menschlichen Tischabfällen produzieren mehr Gas. Bulldogs, Möpse und andere brachyzephale Rassen schlucken beim Fressen mehr Luft und sind daher überproportional häufig für Wohnzimmer-Atmosphären verantwortlich. Interessanterweise sind manche Hunde nachweislich in der Lage, die Körpersignale kurz vor dem eigenen Furzen zu erkennen und sich dann selbst zu erschrecken.

Hering kommuniziert per Furz

2003 veröffentlichten Forscher der Universitäten Edinburgh und British Columbia eine Studie, die beobachtete, wie atlantische und pazifische Heringe Gase aus der Schwimmblase durch den Darm und den Anus abgeben — ein Vorgang, der hochfrequente Klickgeräusche erzeugt. Dieser als Fast Repetitive Tick (FRT) bezeichnete Prozess wird als Form der Kommunikation interpretiert, die möglicherweise der Schwarmkoordination in der Dunkelheit dient. Die Forscher, Ben Wilson und Robert Batty, erhielten dafür 2004 den Ig Nobel Prize für Biologie — eine Auszeichnung für Forschung, die zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt. Es bleibt der einzige wissenschaftlich dokumentierte Fall, in dem Furzen zur Kommunikation unter Fischen dient.

Insekten, Termiten und das globale Methanbudget

Termiten sind trotz ihrer winzigen Größe bedeutende Methanproduzenten: Ihre Darmsymbiose mit methanogenen Archaeen produziert pro Kilogramm Körpermasse mehr Methan als Rinder. Weltweit tragen Termiten schätzungsweise 2–4 % zum globalen Methanbudget bei. Kakerlaken furzen alle 15 Minuten — und hören damit auch 18 Stunden nach ihrem Tod nicht auf. Seidenwürmer, die Larven des Maulbeerspinners, produzieren erhebliche Mengen CO₂ und H₂ als Fermentationsprodukte. Selbst Tintenfische geben Gase über ihre Tintenbeutel ab. Das Furzen ist, evolutionär gesehen, ein universelles Merkmal des Lebens auf der Erde.

Tiere, die (angeblich) nicht furzen

Nicht alle Tiere furzen — oder zumindest nicht auf dieselbe Art. Vögel haben eine kürzere Verdauungspassage und kaum anaerobe Fermentation im Darm, weshalb sie kaum Darmgase produzieren. Oktopusse fehlen die nötigen methanogenen Bakterien. Schlangen können, aber tun es selten — sie haben eine sehr langsame Verdauung. Das Schnabeltier ist ebenfalls für seine Zurückhaltung bekannt. Haie gehören zu den bekanntesten Nicht-Furzern im Tierreich: Ihr Verdauungssystem ist so aufgebaut, dass Gase kaum entstehen. Interessanterweise wurde für lange Zeit behauptet, Nacktmulle würden nicht furzen — das stimmt jedoch nicht: Sie furzen, aber sehr leise und selten.

Wusstest du?

Fun Fact

Der Manatee (Seekuh) reguliert seinen Auftrieb im Wasser durch das Speichern und Ablassen von Darmgasen. Ein verstopfter Manatee kippt buchstäblich um und kann nicht mehr gerade schwimmen. Furzen ist für ihn keine soziale Frage, sondern eine Frage des physischen Gleichgewichts.

Quellen

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