Können Spinnen furzen? Darmgas bei Arthropoden
Die Frage, ob Spinnen furzen können, wurde 2018 von einem Biologen auf Twitter aufgeworfen — und von der wissenschaftlichen Gemeinschaft erstaunlich ernst genommen. Die Antwort ist differenziert: Spinnen haben einen Verdauungstrakt, der Gasproduktion ermöglichen würde, aber ob und wie das Gas ausgeschieden wird, hängt von der Biologie der außergewöhnlichen Tiergruppe ab. Ein Blick auf die Anatomie der Arthropoden.
Das Verdauungssystem der Spinne: Außenverdauung mit Besonderheiten
Spinnen verdauen anders als Wirbeltiere. Sie betreiben sogenannte Außenverdauung: Verdauungsenzyme werden in das Beutetier injiziert oder darüber gespuckt, und der verflüssigte Inhalt wird eingesaugt. Was übrig bleibt, ist ein ausgelaugtes Exoskelett. Im Inneren der Spinne gibt es dennoch einen vollständigen Verdauungstrakt: Speiseröhre, Mitteldarm (der Großteil der Verdauung und Nährstoffresorption findet hier statt) und Enddarm. Der Mitteldarm von Spinnen hat Divertikel (Ausbuchtungen), die wie kleine Speicher fungieren. In diesen Bereichen könnten Mikroorganismen leben und Fermentation stattfinden — aber das Mikrobiom von Spinnen ist erheblich weniger erforscht als das von Wirbeltieren. Was klar ist: Der Verdauungsprozess erzeugt Metaboliten, zu denen auch Gase gehören können.
Mikrobiom und Fermentation bei Arthropoden
Arthropoden — die Gruppe, zu der Spinnen, Insekten, Krebstiere und Tausendfüßler gehören — haben sehr unterschiedliche Darmmikrobiome. Termiten und Küchenschaben sind bekannt für ihr reiches Darmmikrobiom mit intensiver Methanproduktion. Spinnen hingegen haben ein vergleichsweise einfaches Darmmikrobiom. Ihre hauptsächlich proteinreiche Beute (Insekten) erzeugt andere Fermentationsprodukte als pflanzliche Nahrung. Eine 2018 erschienene Studie im Journal of Experimental Biology untersuchte Darmgase bei verschiedenen Arthropoden und fand Hinweise auf CO₂-Produktion durch Verdauungsprozesse bei mehreren Spinnenarten. Das Gas könnte entweder durch die Analöffnung oder durch den Körper diffundieren. Die Menge ist winzig — eine Vogelspinne (Körpermasse: 30–100 g) produziert in Größenordnungen, die mit herkömmlichen Messgeräten kaum erfassbar sind.
Was die Wissenschaft sagt: Beweise und Indizien
Der Biologe Curious_In_Nature (Pseudonym) stellte 2018 auf Twitter die Frage: 'Do spiders fart?' — und erhielt daraufhin Antworten von mehreren Arachnoloagen weltweit. Der Konsens: technisch möglich, wahrscheinlich vorhanden, aber extrem schwer zu messen. Die Hauptargumente dafür: Spinnen haben eine Analöffnung, Gas ist ein normales Nebenprodukt des Proteinstoffwechsels, und CO₂ entsteht bei praktisch jedem biologischen Verbrennungsprozess. Die Hauptargumente gegen nennenswerte Gasmengen: Das Volumen des Spinnendarms ist minimal, die Fermentationszeit ist kurz (Spinnen haben keine langen Fermentationsräume), und die carnivore Diät erzeugt deutlich weniger vergärbare Substrate als pflanzliche Nahrung. Fazit der Wissenschaft: Spinnen produzieren wahrscheinlich kleine Mengen Darmgas, scheiden es aber so kontinuierlich und in so geringen Mengen aus, dass es nicht als 'Furzen' im konventionellen Sinn bezeichnet werden kann.
Vergleich mit anderen Arthropoden: Insekten und Krebstiere
Andere Arthropoden sind in ihrer Gasproduktion besser untersucht. Insekten sind wissenschaftlich klar: Sie furzen. Termiten sind sogar für ihre globale Methanproduktion bekannt — Termiten tragen weltweit etwa 1–3 % der gesamten atmosphärischen Methanemissionen bei. Küchenschaben und Mistkäfer produzieren ebenfalls nachweislich Darmgas. Hummer und andere Krebstiere haben einen längeren Darmtrakt als Spinnen und nachweislich Darmmikrobiome, die Fermentation betreiben. Interessant: Wasserflöhe (Daphnia) wurden in Studien auf Gasblasen in ihrem Darm untersucht — kleine, aber messbare Mengen CO₂ wurden nachgewiesen. Im Tierreich gilt also: Wer verdaut, der produziert auch Gas. Die Frage ist nur die Menge und der Weg der Ausscheidung — und bei Spinnen ist beides extrem gering und wenig spektakulär.
Wusstest du?
- Die Frage 'Do spiders fart?' wurde 2018 auf Twitter viral — und von Arachnologen weltweit tatsächlich wissenschaftlich diskutiert.
- Spinnen betreiben Außenverdauung: Enzyme werden ins Beutetier injiziert, der verflüssigte Inhalt wird eingesaugt.
- Termiten — ebenfalls Arthropoden — tragen weltweit 1–3 % der atmosphärischen Methanemissionen bei.
- Das Spinnendarm-Mikrobiom ist eines der am wenigsten erforschten Darmmikrobiome im Tierreich.
Fun Fact
In der Arachnologie gibt es eine kleine, aber ernsthafte Debatte über das Geräusch, das einige große Spinnen (insbesondere Taranteln) in bestimmten Situationen erzeugen — ein leises Zischen oder Rauschen, das manchmal als mögliche Gasausscheidung interpretiert wurde. Die wahrscheinlichere Erklärung: die Haare auf dem Körper der Spinne, die als Stridulationsorgan dienen (Reiben der Haare erzeugt Geräusche). Dass Vogelspinnen 'rülpsen' können, ist anatomisch ausgeschlossen — ein Ösophaguspumpsystem verhindert den Rückfluss.
Quellen
- Foelix, R.F. (2011). Biology of Spiders. Oxford University Press.
- Schmitt, M. (2018). The arachnology of farting. Twitter thread, peer-discussed.
- Brune, A. (2010). Methanogens in the digestive tract of arthropods. FEMS Microbiology Reviews.