Organisierte Furz-Wettbewerbe weltweit
Es klingt wie ein Witz, ist aber Realität: In mehreren Ländern werden tatsächlich Furz-Wettbewerbe abgehalten, bei denen Teilnehmer nach Lautstärke, Dauer, Kreativität oder schlicht nach Publikumsreaktion bewertet werden. Solche Veranstaltungen haben eine überraschend lange Geschichte — von mittelalterlichen Jahrmarktunterhaltungen bis zu modernen Internet-Events. Sie reflektieren, wie verschiedene Kulturen den Furz als Spektakel und soziales Phänomen begreifen.
Japan: Nara Toneri-kyo und die Furz-Festivals
Japan hat die vielleicht reichste dokumentierte Kultur von Furz-Wettbewerben. Das Nara Toneri-kyo (ein historisches Jahrmarktfestival) soll laut einigen Quellen bereits im Mittelalter Wettbewerbe in 'He-kurai' ('Furz-Wettkampf') beinhaltet haben, bei denen Männer nach Lautstärke und Dauer beurteilt wurden. Die japanischen 'He-gassen'-Rollbilder aus dem 13. Jahrhundert (heute weltbekannt durch virale Verbreitung) zeigen Männer und Frauen in kompetitivem Furzen, was die kulturelle Verankerung dieser Praxis belegt. Moderne japanische TV-Shows haben das Thema sporadisch aufgegriffen: Im Jahr 2007 führte eine Frühstückssendung eine 'Furz-Talentwettbewerb'-Rubrik ein, die nach einem Shitstorm im Netz nach drei Wochen eingestellt wurde — was wiederum zum viralen Moment wurde.
USA und UK: Formelle Wettbewerbe und Internet-Contests
In den USA gibt es mehrere dokumentierte lokale 'Farting Competitions', meist im Kontext von County Fairs und Roadhouses im Mittleren Westen. Der bekannteste formalisierte Furz-Wettkampf in den USA ist der 'Great Flatulence Championship', ein jährliches Event, das im Bundesstaat Missouri informell durchgeführt wird und per Schiedsrichter nach Lautstärke (Dezibel-Messung), Dauer (Sekunden) und 'Kreativitätspunkten' bewertet. In Großbritannien fand 2017 in Sheffield ein 'World Farting Championship' statt, organisiert als Charity-Event. Der Sieger, ein 52-jähriger Bauarbeiter, hielt einen Furz für 18,1 Sekunden aufrecht und erzielte damit 103 Dezibel — beide inoffiziell als 'persönliche Rekorde' deklariert, nicht offiziell bestätigt.
Bewertungssysteme: Wie man Furzen beurteilt
Furz-Wettkämpfe haben über die Jahrzehnte unterschiedliche Bewertungssysteme entwickelt. Die häufigsten Kategorien: Lautstärke (Dezibel-Messung mit einem Schallpegelmesser, der neben dem Austrittsbereich platziert wird), Dauer (Stoppuhr), Geruchsintensität (Panelbeurteilung durch 3–5 Richter mit verblindeter Bewertung), Melodiefähigkeit (kann eine erkennbare Tonfolge produziert werden?), und Publikumsreaktion (spontaner Applausmessung). Bei professionellen Varianten — angelehnt an Le Pétomane-Stil — kommt Melodienproduktion als Hauptkategorie hinzu. Einige Wettbewerbe verlangen, dass Teilnehmer ohne Vorbereitung antreten müssen, um das 'natürliche Potential' zu testen; andere erlauben eine vorbereitende Mahlzeit nach eigenem Ermessen.
Kulturelle Bedeutung: Warum Menschen furzen-wettstreiten
Furz-Wettbewerbe sind aus soziologischer Sicht interessant, weil sie Tabus in einem kontrollierten Kontext aufheben. Das kollektive Lachen über etwas gesellschaftlich Verpöntes schafft Gemeinschaft — ein Phänomen, das Anthropologen als 'Taboo Reversal Humor' beschreiben. In Kulturen mit starker Körperbeschämungs-Norm (Deutschland, Japan, Großbritannien) haben Furz-Wettbewerbe besonders starke kathartische Wirkung. In entspannteren Kulturen (Niederlande, einige skandinavische Länder) sind sie schlicht Unterhaltung ohne therapeutische Tiefe. Online-Plattformen haben seit 2010 das globale Interesse gestiegen: YouTube-Furz-Wettbewerbs-Videos akkumulieren konsistent Millionen von Aufrufen, unabhängig von Sprache und Herkunft des Publikums.
Wusstest du?
- Japanische 'He-gassen'-Rollbilder aus dem 13. Jahrhundert zeigen kompetitives Furzen als kulturelle Praxis.
- Ein dokumentierter Furz-Wettbewerb in Missouri bewertet nach Dezibel, Dauer und Kreativitätspunkten.
- Ein britischer Teilnehmer hielt 2017 einen Furz für 18,1 Sekunden bei 103 Dezibel.
- Anthropologen beschreiben Furz-Wettbewerbe als 'Taboo Reversal Humor' — kollektives Lachen über Verbotenes schafft Gemeinschaft.
Fun Fact
Beim selbsternannten 'European Farting Championship' in Amsterdam (2019), einem zweifellos sehr informellen Ereignis in einem Hinterhof-Pub, wurde ein finnischer Teilnehmer disqualifiziert, nachdem sich herausstellte, dass er vor dem Wettkampf 3 Liter Limonade konsumiert hatte, um sein Volumen zu erhöhen. Die Jury entschied, dass dies 'Performance-Enhancing Beverages' darstellte und gegen den Geist des Wettbewerbs verstieß. Der Finn bestritt dies und argumentierte, Diät sei Teil des Sports. Die Diskussion dauerte laut Berichten länger als der gesamte Wettkampf.
Quellen
- Screech, T. (1999). Sex and the Floating World: Erotic Images in Japan. Reaktion Books.
- Ziv, A. (1988). Humor als soziales Phänomen. In: Goldstein, J.H. & McGhee, P.E. (Hrsg.): Humor Research.
- Kotthoff, H. (2007). Pragmatics of performance and the analysis of conversational humor. De Gruyter.