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Termiten und Methan: Die unterschätzte Klimamacht

Wenn über Tiere und Klimawandel gesprochen wird, fallen meistens Kühe. Doch es gibt eine andere Tiergruppe, die in ihrer Gesamtheit mindestens so bedeutsam für die globale Methanemission ist — und dabei winzig, fast unsichtbar und nahezu überall auf der Welt präsent ist: Termiten. Schätzungen zufolge produzieren die weltweit rund 50 Billionen Termiten zusammen mehrere Millionen Tonnen Methan pro Jahr.

Wie Termiten Zellulose verdauen

Termiten ernähren sich fast ausschließlich von Holz, Gras, Blättern und anderen zellulosereichen Pflanzenmaterialien — Substanzen, die für die meisten anderen Tiere weitgehend unverdaulich sind. Ihr Erfolg beruht auf einer hochspezialisierten Verdauungsgemeinschaft im Hinterdarm: einem komplexen Ökosystem aus Bakterien, Protozoen (bei niederen Termiten) und methanogenen Archaeen. Diese Mikroorganismen brechen Zellulose anaerob ab — also ohne Sauerstoff. Die anaerobe Fermentation produziert als Nebenprodukte Wasserstoff, CO₂ und Methan. Die Archaeen nutzen Wasserstoff und CO₂, um Methan zu synthetisieren — ein Prozess namens Methanogenese. Das resultierende Methan wird größtenteils durch die Cuticula der Termite in die Umgebung abgegeben, durch den Darmkanal ausgeschieden oder im Termitenhügel eingeschlossen und später durch Diffusion freigesetzt.

Die Zahlen: Wie viel Methan ist das?

Die Schätzungen zur globalen Termiten-Methanproduktion schwanken erheblich — je nach Modell und Messmethode liegen sie zwischen 2 und 22 Millionen Tonnen CH₄ pro Jahr. Der am häufigsten zitierte Wert beläuft sich auf etwa 11 Millionen Tonnen jährlich — das sind ungefähr 4 Prozent der gesamten natürlichen Methanemissionen weltweit. Zum Vergleich: Die gesamte Rindviehhaltung der Welt produziert ca. 115 Millionen Tonnen Methan pro Jahr — etwa zehnmal mehr. Termiten sind also bedeutsam, aber nicht die größte tierische Methanquelle. Was sie besonders macht: Sie sind ein natürlicher Bestandteil vieler Ökosysteme, ihre Emissionen sind nicht durch menschliche Eingriffe entstanden — und sie spielen gleichzeitig eine entscheidende Rolle beim Nährstoffkreislauf in tropischen Wäldern.

Wo Termiten besonders aktiv sind

Die Methanproduktion von Termiten ist geografisch sehr ungleich verteilt. Tropische und subtropische Regionen — insbesondere die Wälder Zentralafrikas, Südostasiens und Südamerikas sowie die afrikanischen Savannen — beherbergen die höchsten Terminendichten und damit die größten Emissionsquellen. Eine einzelne Termiten-Kolonie kann aus mehreren Millionen Individuen bestehen. Ein großer Termitenhügel kann wiederum als Methan-'Schornstein' fungieren: Die poröse Struktur des Hügels erlaubt das Gas, langsam nach außen zu diffundieren. Messungen an Termitenhügeln in Brasilien und Australien ergaben Methankonzentrationen im Innenraum, die mehr als tausendmal höher waren als die Außenluft.

Klimawandel verändert die Gleichung

Eine wenig beachtete Konsequenz des Klimawandels: Termiten profitieren von steigenden Temperaturen. Ihre Aktivität und Populationsdichte nimmt mit steigender Umgebungstemperatur zu. Modelle prognostizieren, dass die Termiten-Biomasse in tropischen Regionen bis 2100 um bis zu 40 Prozent steigen könnte — was die Methanemissionen entsprechend erhöhen würde. Gleichzeitig dringen Termiten aufgrund der Erwärmung in bisher für sie ungeeignete Regionen vor. Dies ist ein Beispiel für eine positive Rückkopplungsschleife im Klimasystem: Erwärmung → mehr Termiten → mehr Methan → weitere Erwärmung.

Wusstest du?

Fun Fact

Termitenhügel sind erstaunliche Klimaanlagen: Sie regulieren Temperatur und Feuchtigkeit im Inneren fast unabhängig von der Außentemperatur. Ein Hügel in der afrikanischen Savanne kann bei 40 °C Außentemperatur im Innenraum konstant 30 °C halten. Architekten studieren diese Strukturen als Vorbild für energieeffiziente Gebäude — ein Konzept, das als 'Biomimikry' bekannt ist.

Quellen

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