Furzen und Gerätetauchen: Gas unter Druck
Unter Wasser wird das simple Ablassen von Darmgas zu einer faszinierenden Lektion in Physik. Wie verhält sich das im Darm eines Tauchers eingeschlossene Gas, wenn der Körper in den erdrückenden Druck der Tiefe sinkt?
Die Physik des Drucks
Beim Gerätetauchen wird der menschliche Darm zu einem lebendigen Labor für das Boyle'sche Gesetz, jene Regel aus dem siebzehnten Jahrhundert, nach der das Volumen eines Gases umgekehrt proportional zum umgebenden Druck ist. An der Oberfläche leben wir unter etwa einer Atmosphäre Druck. Für jeweils zehn Meter, die ein Taucher in Meerwasser absteigt, kommt eine weitere volle Atmosphäre hinzu. In zehn Metern Tiefe hat sich der Umgebungsdruck verdoppelt, sodass jede Gasblase, einschließlich des Stickstoffs, Wasserstoffs, Methans und Kohlendioxids im Dickdarm, auf die Hälfte ihres ursprünglichen Volumens zusammengedrückt wird. Steigt man auf dreißig Meter ab, schrumpft dieselbe Blase auf ein Viertel. Das Darmgas verschwindet nicht, es wird lediglich in eine kleinere, dichtere Tasche gepresst. Genau dasselbe Prinzip zwingt Taucher dazu, ihre Ohren auszugleichen und die Luft in Lunge und Tarierjacket sorgfältig zu steuern.
Kann man unter Wasser tatsächlich furzen?
Ja, Taucher können unter Wasser Gas ablassen und tun es auch, und das Ergebnis ist ein kleiner Schwarm Blasen, die wackelnd zur Oberfläche aufsteigen. Weil das Gas in der Tiefe komprimiert ist, fällt ein Furz in dreißig Metern weit kleiner und weniger voluminös aus, als dieselbe Gasmenge an der Oberfläche wäre. Viele Taucher berichten, dass sich das Ablassen unter Wasser anders anfühlt: Der Nass- oder Trockenanzug drückt gegen den Körper, das umgebende Wasser hemmt die Bewegung, und das Gefühl der Erleichterung ist gedämpft. In einem Trockenanzug hat das Gas keinen Ausweg und wandert einfach im Anzug umher, was Taucher scherzhaft als unwillkommenen Reisebegleiter beschreiben. Die entweichenden Blasen sind für den Taucher harmlos, auch wenn sie einen Tauchpartner kurz belustigen oder erschrecken mögen.
Gasausdehnung beim Aufstieg
Das eigentliche Drama geschieht auf dem Weg zurück nach oben. Steigt ein Taucher auf, sinkt der Umgebungsdruck, und das komprimierte Darmgas befolgt das Boyle'sche Gesetz rückwärts und dehnt sich aus, um sein ursprüngliches Volumen zurückzugewinnen. Gas, das in der Tiefe klein gepresst war, schwillt beim Aufsteigen an, was in den letzten Metern vor dem Auftauchen spürbares Blähen, Krämpfe oder einen dringenden Drang zum Ablassen erzeugen kann. Widersinnig findet die stärkste Ausdehnung im flachsten Teil des Aufstiegs statt, zwischen zehn Metern und der Oberfläche, wo die relative Druckänderung am größten ist. Das spiegelt die oberste Tauchregel wider: Halte beim Aufstieg niemals die Luft an, denn eingeschlossenes Gas dehnt sich aus. Wer zuvor Bohnen oder Sprudelgetränke verschlungen hat, lernt diese Lektion auf unbequeme Weise.
Sicherheit, Mythen und Tauchkomfort
Trotz des komischen Potenzials ist Furzen unter Wasser völlig sicher und kann einen Taucher weder vorwärtstreiben noch einen Anzug zerreißen oder irgendeine Verletzung verursachen, so überzeugend die Geschichten an der Tauchbar auch klingen. Die echte Sorge gilt dem Komfort: Ein Bauch voll sich ausdehnenden Gases beim Aufstieg ist unangenehm und ablenkend, weshalb erfahrene Taucher in den Stunden vor einem Tauchgang berüchtigt blähende Speisen wie Bohnen, Kohl, Zwiebeln und kohlensäurehaltige Getränke schlicht meiden. Das Gas allmählich abzulassen, statt es zurückzuhalten, ist die bequeme Wahl. Hyperbarmediziner weisen darauf hin, dass eingeschlossenes Gas im Darm denselben physikalischen Gesetzen folgt wie eingeschlossenes Gas in Ohren, Nebenhöhlen oder Lunge, weshalb das Verdauungswohl ein leiser, aber echter Teil der Tauchplanung und des Wohlbefindens nach dem Tauchgang ist. So bleibt am Ende festzuhalten, dass ein entspannter Bauch unter Wasser ebenso zur Sicherheit beiträgt wie ein klarer Kopf.
Wusstest du schon?
- In zehn Metern Tiefe verdoppelt sich der Druck und presst Darmgas auf die Hälfte seines Oberflächenvolumens zusammen.
- Das 1662 formulierte Boyle'sche Gesetz bestimmt sowohl den Druckausgleich der Ohren als auch das Verhalten von Furzen unter Wasser.
- Gas dehnt sich in den letzten zehn Metern des Aufstiegs am schnellsten aus, wo sich der Druck am raschesten ändert.
- Furzen unter Wasser ist harmlos und kann weder einen Taucher antreiben noch einen Anzug beschädigen.
Fun Fact
Ein in dreißig Metern Tiefe abgelassener Furz wird auf etwa ein Viertel seiner Oberflächengröße komprimiert und bläht sich beim Aufstieg wieder zum vollen Volumen auf, sodass er an der Oberfläche manchmal als deutlich größerer Drang ankommt, als er begann.
Quellen
- Boyle, R., New Experiments Physico-Mechanical, Touching the Spring of the Air, 1662
- Bove, A. A., Bove and Davis' Diving Medicine, 4. Auflage, Saunders, 2004
- Tomljenovic, A. et al., Gastrointestinale Wirkungen von Druckveränderungen beim Tauchen, Diving and Hyperbaric Medicine, 2018
- Levitt, M. D., Volumen und Zusammensetzung menschlicher Darmgase, New England Journal of Medicine, 1971