Pupsen und Divertikulitis: Gase, Ausstülpungen und ein schmerzender Darm
Divertikulitis ist eine der häufigsten Erkrankungen des alternden Darms und kann drastisch verändern, wie viel Gas man bildet und wie es sich anfühlt. Hier erfahren Sie, was die Wissenschaft über Blähungen und entzündete Darmausstülpungen sagt.
Was ist Divertikulitis?
Divertikulitis beginnt mit einer Divertikulose: kleine, ballonartige Ausstülpungen, sogenannte Divertikel, die sich durch schwache Stellen in der Muskelwand des Dickdarms nach außen wölben. Diese Ausstülpungen sind außerordentlich häufig und treten in westlichen Ländern bei mehr als der Hälfte der über Sechzigjährigen auf, wobei die meisten Menschen nichts davon wissen. Aus einer Divertikulose wird eine Divertikulitis, wenn sich eine oder mehrere dieser Aussackungen entzünden oder infizieren, meist im Sigma auf der linken unteren Bauchseite. Die Folge sind Schmerzen, Fieber, veränderte Stuhlgewohnheiten und oft eine spürbare Veränderung der Gasbildung. Forscher vermuten, dass ballaststoffarme Ernährung, gestörte Darmbewegung und ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom alle dazu beitragen. Da im Dickdarm der Großteil der Darmgase durch gärende Bakterien entsteht, verändert alles, was ihn entzündet oder verengt, tendenziell auch die Blähungen.
Wie Divertikulitis Gase und Blähungen beeinflusst
Menschen mit Divertikelerkrankung berichten häufig über Blähbauch, Auftreibung und entweder mehr oder weniger Pupse als sonst. Dabei wirken mehrere Mechanismen zusammen. Entzündungen können die normalen rhythmischen Kontraktionen, die Gas und Stuhl weiterbefördern, verlangsamen oder stören, sodass sich Gas ansammelt und die Darmwand dehnt, was als schmerzhafter Blähbauch empfunden wird. Ein verengter, verkrampfter Darmabschnitt kann Gas davor einschließen, sodass der Druck steigt, bis er in unangenehmen Schüben entweicht. Das gestörte Mikrobiom, das die Divertikelerkrankung oft begleitet, kann Nahrung auch anders vergären und mehr Wasserstoff und Methan erzeugen. Während eines akuten Schubs lassen viele Betroffene weniger Gase ab, weil der Darm träge oder teilweise verstopft wird, und die plötzliche Unfähigkeit, überhaupt Gase oder Stuhl abzugeben, ist ein wichtiges Warnsignal für einen Darmverschluss, der dringend behandelt werden muss.
Ernährung, Ballaststoffe und Umgang mit Gasen
Die Ernährung ist sowohl für die Vorbeugung der Divertikulitis als auch für den Umgang mit den begleitenden Gasen entscheidend. Eine ballaststoffreiche Kost mit viel Obst, Gemüse und Vollkorn hält den Stuhl weich und den Druck im Dickdarm niedrig, was das Risiko senkt, dass sich Ausstülpungen bilden und entzünden. Paradoxerweise führt zu schnell hinzugefügte Ballaststoffe kurzfristig zu mehr Gärung und mehr Blähungen, weshalb man sie langsam und mit reichlich Wasser steigern sollte. Während eines akuten Schubs empfehlen Ärzte oft das Gegenteil: eine vorübergehend ballaststoffarme oder klare flüssige Kost, um den entzündeten Darm zu schonen, was die Gase meist verringert, bis die Heilung einsetzt. Ein hartnäckiger Mythos gehört begraben: Jahrzehntelang riet man Patienten, Nüsse, Körner, Mais und Popcorn zu meiden, aus Angst, sie könnten sich in Divertikeln festsetzen, doch große Studien fanden keinen solchen Zusammenhang, und diese ballaststoffreichen Lebensmittel gelten heute als sicher und sogar schützend.
Wann Gase ein Warnzeichen sind
Die meisten Gase und Blähungen bei einer Divertikelerkrankung sind eher unangenehm als gefährlich, doch bestimmte Muster erfordern eine rasche Abklärung. Starke, anhaltende Schmerzen im linken Unterbauch, besonders mit Fieber und Schüttelfrost, deuten auf eine aktive Infektion oder einen Abszess hin. Blähungen zusammen mit der völligen Unfähigkeit, Gase oder Stuhl abzugeben, Erbrechen und einem harten, aufgetriebenen Bauch können einen Darmverschluss anzeigen, der ein medizinischer Notfall ist. Blut im Stuhl, ein sich rasch verschlechternder Verlauf oder Zeichen einer ausgebreiteten Infektion wie Herzrasen und Verwirrtheit erfordern ebenfalls sofortige Behandlung, denn eine entzündete Ausstülpung kann gelegentlich reißen und in die Bauchhöhle austreten. Wiederkehrende, mildere Schübe werden meist mit Antibiotika, Ernährungsumstellung und einer Kontroll-Darmspiegelung nach Abklingen der Entzündung behandelt. Wenn sich Ihr gewohntes Blähungsmuster stark und anhaltend ändert, besonders nach dem fünfzigsten Lebensjahr, sollten Sie es stets mit einem Arzt besprechen, statt es abzutun.
Wussten Sie schon?
- In westlichen Ländern haben mehr als die Hälfte der über Sechzigjährigen Divertikel, doch nur eine Minderheit entwickelt je eine Divertikulitis.
- Der Rat, Nüsse, Körner und Popcorn zu meiden, wurde durch eine 18-jährige Harvard-Studie widerlegt, die kein erhöhtes Risiko fand.
- Divertikel bilden sich fast immer im Sigma, dem S-förmigen Hochdruckabschnitt links unten.
- Die plötzliche Unfähigkeit, überhaupt Gase abzulassen, kann ein Alarmzeichen für einen Darmverschluss sein, nicht nur für Verstopfung.
Fun Fact
Der Dickdarm eines Menschen mit Divertikulose kann Dutzende winziger Ausstülpungen enthalten, und jede davon ist im Grunde eine kleine Tasche, in der sich Gas und Stuhl kurz verstecken können, bevor sie in den Hauptstrom zurückkehren.
Quellen
- Strate LL, Morris AM, Epidemiology, Pathophysiology, and Treatment of Diverticulitis, Gastroenterology, 2019
- Peery AF et al., Distribution and Characteristics of Colonic Diverticula, Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2016
- Strate LL et al., Nut, Corn, and Popcorn Consumption and the Incidence of Diverticular Disease, JAMA, 2008