Furzen und Alkohol: Wie Trinken die Darmgase beeinflusst
Das zusätzliche Blähgefühl und die lauten Fürze nach einem durchzechten Abend sind keine Einbildung. Von den Kohlensäurebläschen im Bier bis zur Art, wie Alkohol die Darmflora verändert, hat das Trinken mehrere unterschiedliche Auswirkungen darauf, wie viel Gas der Körper produziert.
Warum Alkohol Blähungen verursacht
Alkohol beeinflusst Blähungen über mehrere sich überschneidende Mechanismen. Erstens sind viele alkoholische Getränke kohlensäurehaltig und liefern eine direkte Dosis Kohlendioxid, das den Körper irgendwann als Rülpser oder Fürze verlassen muss. Zweitens entspannt Ethanol die glatte Muskulatur, kann den Magen verlangsamen und zugleich die Passage im unteren Darm beschleunigen, wodurch sich verändert, wie lange die Nahrung gärt und wo sich Gas ansammelt. Drittens reizt Alkohol die Schleimhaut von Magen und Darm, was Blähungen und das Gefühl eingeschlossener Luft verstärken kann. Schließlich trinkt kaum jemand allein: Bier, Wein und Cocktails kommen oft mit salzigen Snacks, frittiertem Essen und zuckerhaltigen Beigaben, die alle ihre eigene vergärbare Last mitbringen. Zusammen führen diese Faktoren dazu, dass ein durchzechter Abend häufig mit mehr Gas, mehr Blähungen und einem deutlich weniger wohlriechenden Morgen danach endet.
Bier, Bläschen und vergärbare Zucker
Bier ist aus einem einfachen Grund ein besonderer Übeltäter: Es ist selbst das Produkt einer Gärung und enthält noch immer Stoffe, die Darmbakterien lieben. Neben gelöstem Kohlendioxid trägt Bier Maltose, Maltotriose und größere Malto-Oligosaccharide, die im Dünndarm nur unvollständig aufgenommen werden. Erreichen diese Zucker den Dickdarm, vergären die ansässigen Mikroben sie zu Wasserstoff, Kohlendioxid und bei manchen Menschen zu Methan. Weizenbiere und unfiltrierte Craft-Ales behalten meist mehr dieser Reststoffe als stark filtrierte Lagerbiere. Wein und Spirituosen enthalten weit weniger vergärbare Kohlenhydrate, doch süße Weine, Liköre und zuckerhaltige Cocktailzutaten bringen das Problem zurück. Die Kohlensäure selbst liefert eine sofortige Gaslast, während die übrig gebliebenen Zucker eine langsam freigesetzte darstellen, die den Dickdarm noch Stunden nach dem letzten Schluck beschäftigt hält. Deshalb sorgt gerade naturtrübes Bier bei vielen Menschen für spürbar mehr Blähungen als ein klarer Schnaps.
Alkohol und das Darmmikrobiom
Regelmäßiger oder starker Alkoholkonsum verändert messbar die Bakteriengemeinschaft im Darm, ein Zustand, den Forscher Dysbiose nennen. Untersuchungen an Menschen mit Alkoholabhängigkeit zeigen eine verringerte mikrobielle Vielfalt und ein Überwuchern gasbildender und potenziell entzündungsfördernder Arten sowie eine Ausdünnung der schützenden Schleimschicht. Alkohol erhöht außerdem die Darmdurchlässigkeit, manchmal als Leaky Gut bezeichnet, sodass bakterielle Produkte in den Blutkreislauf übertreten und Entzündungen antreiben können. Ein zu gärungsfreudigen, gasbildenden Bakterien verschobenes Mikrobiom erzeugt aus derselben Mahlzeit naturgemäß mehr Wasserstoff und Kohlendioxid. Diese Verschiebungen können über eine einzelne Nacht hinaus anhalten, was ein Grund dafür ist, dass chronisch Trinkende oft über anhaltende Blähungen, unregelmäßigen Stuhlgang und übermäßige Blähungen berichten, selbst an Tagen, an denen sie überhaupt nicht getrunken haben. Erst wenn sich die Darmflora nach längerer Abstinenz erholt, gehen diese Beschwerden bei vielen Betroffenen spürbar zurück.
Alkoholbedingte Blähungen in den Griff bekommen
Man kann die blähende Wirkung von Alkohol abmildern, ohne auf jede Feier zu verzichten. Weniger kohlensäurehaltige und weniger zuckerhaltige Getränke zu wählen hilft: Ein trockener Wein oder eine klare Spirituose mit stillem Wasser erzeugt weniger Gas als ein süßer Cocktail oder ein unfiltriertes Craft-Bier. Langsameres Trinken verringert die Menge an geschluckter Luft und Kohlendioxid, die auf einmal ankommt, und das Abwechseln alkoholischer Getränke mit reinem Wasser verdünnt die vergärbare Last und mildert die Dehydrierung. Eine ausgewogene Mahlzeit statt frittierter, salziger Barsnacks begrenzt das zusätzliche vergärbare Material. Mäßigung bleibt die verlässlichste Strategie, da sowohl die Reiz- als auch die Mikrobiomeffekte mit der Menge zunehmen. Halten Blähungen tagelang nach dem Aufhören an, lohnt es sich, die Darmgesundheit mit einem Arzt zu besprechen.
Wusstest du schon?
- Bier enthält gelöstes Kohlendioxid plus Malto-Oligosaccharide, die Dickdarmbakterien zu zusätzlichem Gas vergären.
- Alkohol erhöht die Darmdurchlässigkeit, ein Phänomen, das umgangssprachlich Leaky Gut heißt.
- Starker Alkoholkonsum verringert die Vielfalt der Darmflora und begünstigt gasbildende Arten.
- Zuckerhaltige Beigaben und süße Liköre können Cocktails blähender machen als die Spirituose allein.
Fun Fact
Trappistenmönche brauen seit Jahrhunderten starke, flaschengereifte Biere, und die lebende Hefe in diesen unfiltrierten Flaschen ist genau die Art vergärbarer Zugabe, die den Dickdarm eines Trinkers auf Hochtouren laufen lässt.
Quellen
- Bishehsari, F. et al., Alcohol and Gut-Derived Inflammation, Alcohol Research: Current Reviews, 2017
- Engen, P. A. et al., The Gastrointestinal Microbiome: Alcohol Effects on the Composition of Intestinal Microbiota, Alcohol Research, 2015
- Suarez, F. & Levitt, M. D., Intestinal Gas, Gastroenterology, 2000