💊 Medizin & Gesundheit

Kaugummi und Blähungen: Warum eine harmlose Gewohnheit den Bauch aufbläht

Kaugummi wirkt harmlos, doch bei jedem Kauen kann man Luft schlucken und jeder zuckerfreie Streifen kann schwer verdauliche Süßstoffe in den Darm schmuggeln – ein doppeltes Rezept für Blähungen und Winde.

Die Luft, die du schluckst

Der unmittelbarste Weg, wie Kaugummi Blähungen verursacht, hat nichts mit den Zutaten zu tun: Es ist die Luft, die man unbemerkt schluckt. Dieser Vorgang, Aerophagie genannt, tritt immer dann auf, wenn man kaut, spricht oder mehr als sonst Speichel bildet. Kaugummikauen löst alle drei Dinge gleichzeitig aus. Die ständige Kieferbewegung regt einen Speichelfluss an, und jedes reflexartige Schlucken befördert eine kleine Luftblase in den Magen. Über eine zwanzigminütige Kausitzung summieren sich diese Blasen zu einer erstaunlichen Menge Stickstoff und Sauerstoff. Ein Teil dieser Luft entweicht nach oben als Aufstoßen, doch ein anderer Teil wandert weiter durch den Verdauungstrakt und verlässt den Körper schließlich als Blähung. Da geschluckte Luft überwiegend aus Stickstoff besteht, ist das entstehende Gas meist geruchlos, aber nicht weniger bemerkbar, wenn es sich im ungünstigen Moment ankündigt.

Zuckerfrei, aber voller Gas: Sorbit und Co.

Die meisten modernen Kaugummis werden nicht mit Zucker, sondern mit Zuckeralkoholen wie Sorbit, Xylit, Mannit und Maltit gesüßt. Diese Polyole schmecken süß, werden aber im Dünndarm nur teilweise aufgenommen. Was unverdaut hindurchrutscht, gelangt in den Dickdarm, wo die ansässigen Bakterien es begeistert vergären und dabei Wasserstoff, Kohlendioxid und manchmal Methan freisetzen. Sorbit ist ein besonderer Übeltäter: Studien zeigen, dass schon fünf bis zwanzig Gramm bei empfindlichen Menschen Blähungen, Krämpfe und Winde auslösen können, und ein einziger Streifen Kaugummi kann über ein Gramm enthalten. Kaut man eine ganze Packung über einen Nachmittag, steigt die Dosis schnell an. Da Polyole durch Osmose auch Wasser in den Darm ziehen, bekommen Vielkauer manchmal weichen Stuhl zusätzlich zu den Winden – ein klassisches Zeichen, dass der Süßstoff und nicht nur die Luft schuld ist.

Vom Kaugummi in den Darm: Wie das Gas entsteht

Das Gas, das man nach einer langen Kausitzung spürt, stammt aus zwei Mechanismen, die zusammenwirken. Der erste ist mechanisch: Geschluckte Luft wandert einfach durch den Körper. Der zweite ist mikrobiell und zeigt sich langsamer. Wenn unaufgenommenes Sorbit den Dickdarm erreicht, behandeln es Billionen Darmbakterien wie eine kostenlose Mahlzeit. Ihre Gärung erzeugt innerhalb weniger Stunden ein Gasgemisch, weshalb die Blähungen oft lange nach dem Kaugummi auftreten. Die genaue Menge hängt vom individuellen Mikrobiom ab; Menschen, deren Bakterien Polyole effizient vergären, produzieren deutlich mehr Gas als andere. Deshalb schwankt die Wirkung so stark von Person zu Person. Jemand mit empfindlichem Darm oder einer Grunderkrankung wie dem Reizdarmsyndrom kann heftig auf eine Dosis reagieren, die einen Freund völlig unbeeindruckt lässt.

Wie man kaut, ohne zu leiden

Man muss Kaugummi nicht völlig aufgeben, um beschwerdefrei zu bleiben. Die einfachste Lösung ist Mäßigung: Beschränkt man sich auf einen oder zwei Streifen, statt ununterbrochen zu kauen, bleiben die geschluckte Luft und die Polyol-Dosis gering. Langsames Kauen mit geschlossenem Mund verringert, wie viel Luft man schluckt. Sind Zuckeralkohole dein Auslöser, wirf einen Blick auf die Zutatenliste – manche Kaugummis geben ihren Polyolgehalt an, und die Verpackung trägt in vielen Ländern den Hinweis, dass übermäßiger Verzehr abführend wirken kann. Der Wechsel zu einem Kaugummi mit einem nicht vergärbaren Süßstoff oder mit weniger Sorbit kann helfen. Wenn Kaugummi dich verlässlich aufbläht, lohnt es sich schließlich zu prüfen, ob eine Polyol-Unverträglichkeit oder eine allgemeinere FODMAP-Empfindlichkeit vorliegt, die eine Ernährungsberatung einschätzen und begleiten kann.

Wusstest du schon?

Fun Fact

Ärzte haben Fälle von starkem Gewichtsverlust und chronischem Durchfall bei Patienten beschrieben, die täglich Dutzende Streifen Sorbit-Kaugummi kauten – das Rätsel wurde erst gelöst, als jemand endlich nach ihrer Kaugummi-Gewohnheit fragte.

Quellen

Verwandte Artikel

Zur Galerie 💨

‹ Zurück zur Enzyklopädie